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Papsturkunden des hohen Mittelalters

Die Papsturkunden des hohen Mittelalters (PUhMA) stehen im Mittelpunkt des auf drei Jahre angelegten Forschungsvorhabens „Schrift und Zeichen. Computergestützte Analyse von hochmittelalterlichen Papsturkunden. Ein Schlüssel zur Kulturgeschichte Europas“. Dieses vom BMBF im Rahmen der eHumanities geförderte Projekt ist eine Kooperation zwischen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte, Prof. Dr. Klaus Herbers; Lehrstuhl für Informatik 5 Mustererkennung, Prof. Dr. Joachim Hornegger) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (Lehrstuhl für Historische Medienkunde, (Prof. Dr. Irmgard Fees). Das Ziel des Vorhabens ist insbesondere die detaillierte und systematische Untersuchung der Schriftentwicklung in den Papsturkunden des 11. und 12. Jahrhunderts. Der neue Ansatz profitiert dabei von seinem interdisziplinären Charakter, der die neuen Methoden der Mustererkennung mit denen der klassischen historischen und paläographischen Arbeitsweisen verbindet.

Mit den Möglichkeiten, welche die Mustererkennung anbietet, können die Prozesse der Schriftveränderung detailliert nachgezeichnet werden, während bisher nur grob die Entwicklung von der päpstlichen Kuriale über die päpstliche Minuskel hin zur gotischen Schrift allgemein konstatiert wurde. Auch die weiteren äußeren Merkmale der Urkunde wie Benevalete und Rota werden im Projekt in die Betrachtung mit einbezogen. Die Ergebnisse der Untersuchung werden dabei nicht nur im paläographischen und diplomatischen Sinn analysiert, sondern auch in einen kulturhistorischen Kontext gestellt.

Beginnen wird die Untersuchung mit dem Pontifikat Leos IX. (1048-1054), unter dem die Papsturkunden eine äußere Gestalt erhielten, die für die nächsten Jahrhunderte maßgebend wurde. Enden wird die Untersuchung mit dem Jahr 1198, dem Pontifikat Innozenz‘ III.

Neben der deskriptiven Beobachtung, wann und wie die Veränderung der Schrift von statten gegangen ist, soll innerhalb des Vorhabens auch weiteren Fragestellungen nachgegangen werden. Warum kommt es zu diesen Veränderungen? Können dafür einzelne Personen oder Ereignisse in Verbindung gebracht werden? Auch neue Erkenntisse zum päpstlichen Kanzleiwesen – der effizientesten Kanzlei des Hochmittelalters – werden durch die ebenfalls automatisch unterstützte Zuweisung zu einzelnen Schreiberhänden erwartet.